Barbarastollenfest

Seit etlichen Monaten wird in Steinebach das Projekt „Stollen aus dem Stollen“ mit zahlreichen helfenden Händen angepackt. Umso mehr war man am Sonntag im ehrenamtlichen Team des Fördervereins Grube Bindweide zufrieden und im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert, denn beim Finale, beim gut besuchten Barbarastollenfest rund ums Bergwerk, hieß es schon recht bald: „Alle Christstollen sind ausverkauft!“
Weit über 200 Stollen mit eigens entwickelter Rezeptur und damit ureigener Note fanden reißenden Absatz. Mit diesem erfreulichen Resultat ist nun quasi aus einem vagen Versuchsprojekt ein Erfolgsmodell geworden. „Mit solch toller Resonanz hätten wir nie gerechnet“, freute sich abends beim Glühwein vor der romantisch beleuchteten Grubenschmiede Förderverein-Geschäftsführer Konrad Schwan, der die Fäden der gesamten Organisation souverän in den Händen hielt. Mit zu den ersten Gästen, die den leckeren Stollen bei einer Tasse Kaffee im urigen Knappensaal probierten und lobten, zählte auch Bürgermeister Bernd Brato. Von daher dürfte jetzt davon auszugehen sein, dass dies erstmalige Projekt im künftigen Bergwerksdienstplan gewiss keine Eintagsfliege bleiben wird. Während sich Eisen- und Handwerksfreunde sowie die jüngsten Besucher beim Hämmern am Schmiedeamboss vergnügten, drehte sich drinnen im Knappensaal alles um die lange durchdachte Produktion des Barbarastollens. Die war nämlich im Frühsommer aufgrund der prima Zusammenarbeit zwischen Förderverein und dem Backhaus Hehl in Müschenbach möglich geworden.

Beim Barbarastollenfest in Steinebach fand jetzt das leckere Backwerk reißenden Absatz. (Foto: Joachim Weger)

Das ungewöhnliche Zusammenspiel zwischen Bergmannsstand und Bäckerhandwerk machte rasch Schlagzeilen. Auf den ersten Blick wirkt der Begriff „Stollen aus dem Stollen“ ein wenig rätselhaft, doch die Projektidee hat es in sich. So ist es nach einigen Probeläufen gelungen, spezielle Butter- oder Christstollen in der Backstube zu produzieren und in Steinebachs Untertagewelt reifen zu lassen. Dazu wurden die brotförmigen Stollen aus gehaltvollem Hefefeinteig wochenlang bei frischer Bergluft in der kühlen und dunklen „Bindweide“ gelagert. „Gut Ding braucht Weile“, lautet das klare Motto im Kreis aller Beteiligten. Längst weiß man selbst in Fachkreisen Deutscher Innungsbäcker, dass die Reife eines butterig-saftigen Christstollens entscheidend ist für den Geschmack. Als beste Umgebung gilt das natürliche Klima in Höhlen und Bergwerksstollen. So ist auch in der „Bindweide“ mit ganzjährig gleichbleibendem Grubenwetter von idealen Bedingungen auszugehen. Bei hoher Luftfeuchte und verhältnismäßig niedrigen Temperaturen (um 10 Grad) fand die altbekannte weihnachtliche Spezialität ihre Reife und damit das typische Aroma zum einzigartigen Gaumenschmaus. Die Grubenbahn transportierte hunderte Stollen zur Reife rund 400 Meter ins Berginnere. Am untertägigen Lagerort waren ohnehin wöchentliche Kontrollen inklusive Geschmackstests nötig.
Für das Projekt „Stollen aus dem Stollen“ gibt’s sogar preisgekrönte Vorbilder, etwa im Erzgebirge und im Vogtland. Der klassische Christstollen aus wertgebenden Bestandteilen hat vielerorts eine alte Tradition. Gemäß der Überlieferung erinnert das Backwerk an das in Tücher eingewickelte Christkind. Der seit Jahrhundertern besonders in bergbaulichen Regionen beliebte winterliche Kuchen ist zudem als altes Fastengebäck bekannt.

Text und Foto: Joachim Weger

, , , , , ,