Besucherbergwerk Bindweide: Alte Kasse ist wieder am Ursprungsort

Ganz offiziell erfolgte jetzt eine ungewöhnliche Spendenübergabe im Steinebacher Besucherbergwerk Bindweide: Die gut 100 Jahre alte Registrierkasse des früheren Konsums, der Verkaufsanstalt des Krupp-Konzerns, befindet sich nun als Museumsstück im Tagesgebäude der Grube. Bruno und Brigitte Otterbach aus Gebhardshain, die das nostalgische Gerät vor rund 30 Jahren aus dem ehemaligen Konsumgebäude in Steinebach erworben hatten, spendeten es nun – zusammen mit einem Barbara-Relief – dem Förderverein der Grube Bindweide als wertvolles Sammelstück.
„Die seltene Kasse und damit ein Stück Geschichte ist wieder am Ursprungsort zurück“, sagte der Erste VG-Beigeordnete Joachim Brenner, zur Freude von Konrad Schwan (Geschäftsführer Förderverein) und Peter Thönig (VG-Touristik).

Damit das historisch bedeutsame Stück künftig gut sichtbar dargestellt ist und dennoch nicht als eine Art Spielzeug verkommt, bedurfte es einer ansprechenden Vitrine. Im Dienst an der guten Sache machten sich hierfür Kerstin Puderbach und Urs Bauer vom örtlichen Betrieb Oscar-Möbel stark.
Dass die alte Kasse die Wirren der Zeit heil überdauern konnte, ist in erster Linie Verdienst des verstorbenen Willibald Meyer aus Steinebach. Als Bewohner des früheren Konsumgebäudes hatte er bereits in den 1960-er Jahren in weiser Voraussicht die alte Ladenkasse, das eigentliche Herzstück des Betriebs, sicher aufbewahrt. Als die Lokalpresse später darüber berichtete, fand Bruno Otterbach Gefallen an der alten Kasse. Der Erwerb war reine Formsache. Lange Jahre stand das gute Stück in Otterbachs Provinzial-Büro in Gebhardshain zur Schau, bis man dort kürzlich den prima Entschluss fasste: „Die Kasse gehört nach Steinebach!“ Immerhin haben da vor rund 100 Jahren unzählige Dorfleute, vor allem Bindweider Bergarbeiter und deren Familien, ihr erspartes Geld gegen Waren des täglichen Gebrauchs getauscht.

Die aus schwerem Metall gebaute und kunstvoll verzierte Kasse vom Typ National Nr. 412 mit mechanischer Tastatur stand einst streng behütet im Verkaufslokal. Vermutlich hat Konsumverwalter Peter Joseph Kirschbaum (1866-1926), der diplomierte Fotograf,  zumindest zeitweise die alte Kasse bedient. Nach Drehen der Kurbel und dem Ertönen der legendären Kassenklingel öffnet sich heute wie damals die Holzschublade mit Fächern für Münzen, Scheine sowie einer „Schuldner-Ecke“. Auch die drehbaren Ziffernwalzen, die im Sichtfenster Preise von Mark und Pfennig anzeigen, lassen auf beste Pflege des Geräts schließen. An bargeldloses Zahlen, an digitale Technik oder gar an Euro und Cent war längst noch nicht zu denken. Gemäß den sauber geführten Preislisten lagen viele Konsum-Artikel noch im erschwinglichen Pfennigbereich. So sind beispielsweise Handfeger mit 73, Nachttopfreiniger mit 45, „Wichse in Blechbüchsen“ mit sieben und Salzheringe mit sechs Pfennigen ausgewiesen. Günstig war simpler Pfeifentabak. Etwas tiefer mussten Zigarrenfreunde für edle Marken wie „Bindweide“, „Hans-Joachim“ oder „Glück auf“ in die Tasche greifen.

Die Ära der Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg wird an unvorstellbar hohen Geldsummen deutlich. Von daher mussten sich in den 1920-er Jahren auch die Bindweider Bergleute, die mit den familiären Konsumtarifen vertraut waren, an total utopische Zahlen gewöhnen.

Text und Fotos: Joachim Weger

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