Die Projekte-Gruppe „Deutsche Geschichte – Heimat und das Leben unserer Vorfahren“ referierte über das Thema Bombenkrieg

Zu einem Vortrag über das Thema Bombenkrieg, seiner Entstehung und seiner Entwicklung bis hin zur Luftschlacht um bzw. über England traf sich am 08.11.2018 die Projekte-Gruppe „Deutsche Geschichte – Heimat und das Leben unserer Vorfahren“ der Ehrenamtsinitiative „Ich bin dabei“ wieder in der Dickendorfer Mühle. Von den älteren Generationen kann dabei noch jeder aus der Familie zu den Bombenangriffen berichten. Aber wie kam es zu diesen Bombenangriffen?

Um das zu verstehen, müssen wir im Ersten Weltkrieg beginnen. Die Front im Westen sollte entlastet werden und so kam die deutsche Heeresführung Anfang 1915 auf die Idee, England mit Bomben anzugreifen. Der erste Angriff wurde am 10.01.1915 von Zeppelinen auf die Stadt Yortmouth geflogen. Zwei Zeppeline mussten den Angriff abbrechen, doch gelang es einem Zeppelin 6 Bomben a 50 kg Gewicht und noch 7 Brandbomben abzuwerfen. Das Ergebnis des Angriffs war die Zerstörung einiger Häuser, mehrere Verletzte und 4 Tote. Bis zum 01.08.1918 wurden von Zeppelinen 51 Angriffe auf England geflogen, dabei wurden 1358 Menschen verletzt und es gab 556 Tote. Ab dem 12.06.1917 griffen die Deutschen England mit den damals gefürchteten Gotha-Bombern an. Ziel war London. Zum Einsatz kamen 17 Bomber, die 92 Bomben abwarfen. Es gab 382 Verletzte und 145 Tote. Bis zum Kriegsende gab es 59 Angriffe mit 2050 Verletzten und 857 Toten. England war damals kaum in der Lage, sich zu wehren, zog aber für später aus diesen Angriffen seine Lehren. Im Versailler Vertrag wurde über Deutschland ein Motorflugverbot erlassen und die Deutschen mussten ihre Luftwaffe vernichten. England baute selbst eine strategische Luftwaffe auf. Deutschland gründete nach dem ersten Weltkrieg viele Segelflugvereine, um der Jugend die Möglichkeit einer Flugausbildung zu geben. In den 1920er Jahren wurde Deutschland die zivile Motorfliegerei (Lufthansa) wieder erlaubt, und so konnten die Piloten dort ausgebildet werden. Geheime Verträge mit Finnland und Russland ermöglichten den Bau von Motorflugzeugen und die Ausbildung von Militärpiloten und Beobachtern. Heimlich begann eine illegale Aufrüstung und im Jahre 1932 besaß die Reichswehr schon wieder 1850 Flugzeuge. Nach der Machtübernahme 1933 wurde Göring Oberbefehlshaber der Luftwaffe und startete ein Aufrüstungsprogramm. Der erste Test der neuen Luftwaffe fand im spanischen Bürgerkrieg statt. Hier wurde die Stadt Guernica im Jahre 1936 durch Ju52-Bomber vernichtet. Am 07.03 1936 marschierte die Wehrmacht in das entmilitarisierte Rheinland ein und brach den Versailler Vertrag. Die Luftwaffe verfügte zu diesem Zeitpunkt über 2680 Flugzeuge. Davon waren 1000 Bomber und 700 Jäger. Am 01.09.1939 überfiel die Deutsche Luftwaffe Polen mit 2152 hochmodernen Flugzeugen. Diese konnten in den ersten Stunden des Krieges viele der 900 polnischen Maschinen am Boden zerstören und eine Luftüberlegenheit schaffen. Nach Schaffung dieser Überlegenheit konnte die Luftwaffe das Heer taktisch und logistisch am Boden unterstützen und für einen schnellen Sieg sorgen. Die polnische Hauptstadt Warschau wollte sich aber nicht ergeben und wurde durch die Luftwaffe massiv bombardiert. Danach ergaben sich die Polen. Verluste dieses Feldzugs waren auf deutscher Seite 285 Flugzeuge und 759 Angehörige der Luftstreitkräfte. Im Jahre 1940 nahmen die Flieger am Einsatz in Dänemark und Norwegen teil. Die Verluste waren gering. Die Einsatztaktik war dieselbe wie in Polen. Ab dem 03.09.1939 befand sich Deutschland mit Frankreich und England im Krieg. Die Luftwaffen dieser Länder setzten nur Nadelstiche bei Ihren Angriffen auf Deutschland. Schiffe, Häfen und der Abwurf von Flugblättern waren die Ziele der Westmächte. Auch die Luftwaffe hielt sich auffallend zurück. Am 10.05.1940 begann der Westfeldzug. Die Luftwaffe griff mit 500 Bombern 47 Flugplätze in Nordfrankreich, 15 in Belgien und 10 in Holland an. Es wurden 83 belgische, 62 niederländische, und 65 französische Flugzeuge an einem Tag zerstört. Die dadurch errungene Luftüberlegenheit wurde taktisch ausgenutzt und der Vormarsch der Wehrmacht unterstützt. Vom 24.Mai bis zum 02. Juni 1940 hatte die Luftwaffe Ihren Großeinsatz im Kessel von Dünkirchen. Erstmals lernten hier die deutschen Flieger die Schlagkraft der Royal Air Force (RAF) kennen. Göring operierte in Dünkirchen mit 500 Jägern und 300 Bombern. Die in Südengland stationierten Hurricane und Spitfire Jäger konnten aber erfolgreich den Rückzug ihrer Truppen decken. Strategisch waren dies die Rettung Englands und die Kriegsniederlage für Deutschland. Hitler plante nun die Landung auf der Insel. Dafür brauchte Deutschland die Luftüberlegenheit. Taktisch konnte die Luftwaffe von Flugplätzen in Frankreich, Holland, Dänemark und Norwegen angreifen und Schwerpunkte bilden. Ohne deutsches Wissen besaß England aber ein Frühwarnsystem mit modernen Radargeräten. Die angreifenden Flugzeuge wurden frühzeitig erkannt und konnten bekämpft werden. Die Verluste der Luftwaffe waren sehr hoch. Schlimmer als der Verlust der Flugzeuge war der Verlust des fliegenden Personals, was bis zum Ende des Krieges nie mehr gleichwertig ersetzt werden konnte. Oft mussten die Bomber ohne Jagdschutz fliegen, da die Jäger nur 20 Minuten über der Insel kämpfen konnten. Mit Angriffen auf die Flugplätze und die Flugzeugfabriken gelang es der Luftwaffe fast die RAF zu besiegen, doch kurz vor der englischen Niederlage verlegte die Luftwaffe ihre Angriffe auf London. Die englische Jagdwaffe konnte sich schnell erholen. Die Engländer stellten trotz Bombardierung ihrer Fabriken etwa 300 Jäger pro Monat her, die Deutschen nur 200 Stück. Der Höhepunkt der Luftschlacht über England fand am 07.09.1940 statt. An diesem Tag griffen 650 deutsche Bomber und 1000 Jäger 11 Stunden lang London an. 450 Bewohner der Hauptstadt wurden getötet. Am 15.11 1940 erfolgte der bis dahin schrecklichste Angriff der Deutschen auf die Flugzeugindustriestadt Coventry mit 439 Bombern, die 511 Tonnen Sprengbomben und 30 000 Brandsätze über der Stadt abwarfen. 60 000 Gebäude wurden zerstört, 568 Menschen getötet und 1256 Personen schwer verletzt. Die deutsche Propaganda sprach nun vom „coventryasieren“ (totale Zerstörung). Bis Mai 1941 kam es immer wieder zu schweren Luftkämpfen über England. Am 10.Mai 1941 kam es in London bei einem Bombenangriff zu 1400 getöteten Zivilisten. Mit dem Beginn der Feldzüge in Südeuropa, dem Fall Barbarossa und dem Afrikakrieg wurde die Luftschlacht über England beendet. Verluste auf deutscher Seite: 1733 Bomber und Jäger, England verlor 915 Jäger. Der erste Bombenangriff der Engländer war am 04.09.1940 auf das dänische Städtchen Esbjerg. 29 Bomber griffen an, es gab 2 Tote. Die Deutschen fingen den Angriff ab und schossen 28 Maschinen ab. Aber die großen Stunden der Gegenangriffe durch die Engländer sollten noch kommen.

Ein Vortrag über den zweiten Teil, „Bombenkrieg in der Heimat“ ist in der Planung. Auskünfte erteilt der Kümmerer der Projekte-Gruppe, Berthold Hammer unter Telefon: 02747/1071 bzw. E-Mail: berthold.hammer@hotmail.de

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