Erinnerungen an den „Schistra“ (Schienen-Straßen-Omnibus)

Am 04.04.2018 traf sich die Projekte-Gruppe „Deutsche Geschichte-Heimat und das Leben unserer Vorfahren“ der Ehrenamtsinitiative „Ich bin dabei“ in der Dickendorfer Mühle zu einem Vortrag über die Eisenbahngeschichte unserer Region. Das Thema steht maßgeblich für viele Familien im Betzdorfer Raum und fand daher auch eine Zahl von Interessierten und Zuhörern.

Vielen unserer Vorfahren hat die Eisenbahn geholfen, ihre Existenz zu gewährleisten. Wer nicht bei der Bahn seine Arbeit fand, der arbeitete bei der Firma Jung in Kirchen oder in einem der Stahl erzeugenden Gewerbe im Siegerland. Durch die Bahn wurde das Leben einfach besser.

Die Stadt Betzdorf kann sich als Eisenbahnstadt bezeichnen, denn bevor die Bahnlinie Köln-Gießen durch das Siegtal gebaut wurde, war Betzdorf eine kleine Gemeinde.

Auf Wunsch der Zuhörer wurde auch auf die Geschichte des Schienen-Straßen-Bus, kurz „Schistra“ eingegangen. Die Planungen dieses Fahrzeuges gehen auf das Jahr 1951 zurück. Sinn der Planung war, den Fahrgast von zu Hause abzuholen und auch wieder nach Hause zu bringen. Dafür brauchte die Bahn ein Fahrzeug, welches Schienen und Straßen gleichzeitig befahren konnte. Auf der Verkehrsmesse 1953 in Frankfurt am Main wurden die ersten drei Fahrzeuge vorgestellt .Die Bahn bestellte daraufhin 50 Stück, von denen aber nur 15 als Schienenstraßenbusse zum Einsatz kamen. Die anderen Fahrzeuge wurden nur als Bus eingesetzt. Der „Schistra“ wurde gebaut von der Firma Wagen- und Maschinenbau GmbH Donauwörth. Er hatte 43 Sitze und bis zu 24 Stehplätze.

Der Motor war ein 120 PS starker Dieselmotor von Klöckner-Humboldt-Deutz. Sowohl der Fahrer wie auch das Fahrzeug mussten eine Straßen- und Schienenzulassung haben. Für den Betrieb auf Schiene wurde der Bus auf zwei je zweiachsige Spurwagen gesetzt. Dafür hatte der „Schistra“ zwei hydraulische Hebevorrichtungen. Vor der Vorderachse und hinter der Hinterachse befand sich ein Lager für den Drehzapfen (Königszapfen) der jeweiligen Spurwagen. Angetrieben wurde der „Schistra“ auf der Schiene über die Hinterachse des Busses. Gebremst wurde mit den Spurwagen .Bei Nässe und Glätte hatte das Fahrzeug im Schienenbetrieb Traktionsprobleme. Dies führte dazu, dass der Betrieb auf den meisten Strecken bis 1958 eingestellt wurde. Erfolgreich war nur die Strecke Koblenz-Betzdorf, hier wurden ab Oktober 1954 bis zum Jahre 1967 etwa 1,6 Millionen Kilometer gefahren und 1,5 Millionen Fahrgäste transportiert. Auf der Strecke zwischen Betzdorf-Altenkirchen-Dierdorf fand die Fahrt auf Schienen statt. Von Dierdorf bis Koblenz auf der Straße. In Koblenz waren zwei „Schistra“ und in Betzdorf ein „Schistra“ stationiert. Heute gibt es noch ein funktionsfähiges Fahrzeug im Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen. Der Vortrag wurde wie immer mit Kurzfilmen zum Thema unterlegt. Die Projekte-Gruppe hat den Beschluss gefasst, dass Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen zu einem späteren Zeitpunkt zu besuchen.

Für Fragen und Auskünfte zur Projekte-Gruppe steht der Kümmerer, Berthold Hammer gerne unter der Rufnummer 02747/1071 oder per E-Mail: berthold.hammer@hotmail.de zur Verfügung.

 

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